Sprung zu Vorgeschichte - Anfänge - Weiterentwicklung - Probelokal - ab 1987

"Von der Pfarrmusik zum Blasmusikverein" - Die Vorgeschichte:

1947 entstand die überwiegend aus Jugendlichen bestehende Blaskapelle der Pfarre St. Georg Kagran. Doch keine Vereinsgeschichte ohne Vorgeschichte, und so soll hier auch über die Musikkapellen der Pfarre Kagran vor 1938 berichtet werden.

Foto1920 wurde der “Katholische Jugendbund Kagran“ gegründet, in dessen Rahmen wohl um 1922 die erste Kagraner Burschenkapelle unter Kapellmeister Ludwig Wolfert entstand. Nach der Küche der Gärtnerei waren auch die Tischlerei Runa am Kagranerplatz sowie das Gasthaus Madhois (Erwin Molzer) Probelokal. Diese Jugendbundkapelle bestand allerdings nicht durchgehend bis 1938, 1930 entstand die Kapelle erneut, bis die Ereignisse des Jahres 1938 dem Musizieren ein unfreiwilliges Ende bereiteten.

Gedacht sei in diesem Zusammenhang vor allem Eduard Böhm, der bis 1936 Präses des Wiener Jugendbundes und als solcher die Seele der Pfarrjugend und somit auch der Musik war. Er fand 1961 auf dem Kagraner Friedhof seine letzte Ruhestätte.

Die Anfänge der Blasmusik St. Georg Kagran:

Nach den Jahren des 2. Weltkrieges, die naturgemäß eine Unterbrechung des Musizierens bewirkt hatten, begann man in Kagran sehr bald wieder mit der Aufstellung einer Musikkapelle.

Rupert Knie, der schon vor 1938 Kapellmeister war, sammelte die einstigen Musiker um sich, vom Dachboden des alten Pfarrhofes holte man die Instrumente und einem Wiederbeginn stand nichts mehr im Wege. Die Überholung der Instrumente finanzierte die Pfarre St. Georg Kagran, ergänzend wurden übertragene Instrumente angekauft. Die Initiative dazu kam vom damaligen Kaplan Mathias Krammer.

Wurde 1946 mit den Probenarbeiten begonnen, so war die Kapelle dann 1947 bereits spielfähig. Musiziert wurde damals auf rein idealistischer Basis. Es wurde kostenlos ausgebildet und auch bei den Ausrückungen wurden die Musiker nicht - oder nur kaum - entschädigt. Bis heute hat sich daran eigentlich nur wenig geändert - wenn man von Phasen absieht, in denen Fahrtkosten ersetzt wurden oder ein kleiner finanzieller Anreiz für den Musiknachwuchs gesetzt wurde. Die Erträge aus der heute höheren Zahl an Ausrückungen sind zur Finanzierung der umfangreicher gewordenen Vereinsarbeit notwendig. Nichtsdestotrotz sind Idealismus und das Erreichen eines gemeinsam gesetzten Zieles noch heute die treibenden Kräfte für den Bestand des Blasmusikvereins St. Georg Kagran.
Anfänge

Bald nach der Neugründung erhielten die Musiker Studentenmützen und weiß-blaue Krawatten. Als Probelokal diente das aus einem alten Schüttkasten und einem Pferdestall erbaute Pfarrheim, das 1947 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. 1961 wurde bereits die dringende Notwendigkeit eines neuen Pfarrheimes betont, aber erst 1969 konnte der damalige Erzbischof Dr.Jachym im Anschluß an die Firmung das neue Pfarrheim segnen. Auch im modernen Pfarrheim hatte die Blasmusik über viele Jahre dann ihren Probenraum und ein Archiv.

Weiterentwicklung:

Der 24. März 1970 wurde zu einem für die weitere Entwicklung sehr wichtigen Datum. Einberufen durch Hans Nissl und den inzwischen verstorbenen Franz Seidl, wurden für den Weiterbestand wichtige Neugestaltungen diskutiert und beschlossen. Man erkannte, daß sich in einem größeren Kreis von Gleichgesinnten manche Ziele leichter erreichen lassen. In den fünf Jahren darauf vollzog sich in sehr eindrucksvoller Weise das Ergebnis dieser Sitzung. Neben einer gesteigerten Anzahl von Ausrückungen war ganz besonders das Heranwachsen des selbst ausgebildeten Jungmusikernachwuchses zu erkennen, daß zur Bildung eines eigenen Jugendblasorchesters führte.

Es wurden für den größer werdenden Kreis von Musikern 1973 neue Uniformen aus den Eigenmitteln des Vereines angeschafft. Rote Schirmkappen, blaue Blazer und rot-blau-silber gestreifte Krawatten prägten fortan das Bild.

Zu diesem Zeitpunkt zählte die Kapelle 21 Musiker und 18 Schüler, diese Zahl erhöhte sich bis Ende 1974 bis auf 31 aktive Musiker und eine Schülergruppe mit 45 Jugendlichen.Jugendblasorchester der 70er

Schon sehr bald nachdem in Kirchschlag in der Buckligen Welt das erste Mal ein Jungmusikerseminar der Blasmusik St. Georg Kagran abgehalten wurde - dies war übrigens eine Initiative unseres Kpm. Erich Macek - erkannte man die über das musikalische Training hinausgehende pädagogische Wirkung dieser Veranstaltung. Die Idee wurde vom Wiener Blasmusikverband aufgegriffen, der die Veranstaltung der Seminare übernommen und fortgeführt hat. Da in der Großstadt Wien die Blasmusikkapellen ob des besonders umfangreichen Freizeitangebotes nicht die selbe persönliche Bindung ihrer Mitglieder erreichen wie in den Bundesländern, fand man so einen Weg, um den Jungmusikern zu zeigen, daß die Blasmusik in Wien nur einen Dornröschenschlaf vollzieht, aus dem es sie zu erwecken galt. Die während der Seminare übermittelten theoretischen Kenntnisse und die Vorbereitung auf die Prüfung zur Erlangung des Jungmusikerleistungs-abzeichens trugen schon bald auch innerhalb des Orchesters Früchte und der Zustrom zu diesen Seminaren verstärkte sich deutlich. Durch den Urlaubscharakter mußte man die Jugendlichen nicht schicken, sondern sie verbrachten einen Teil ihrer Ferien mit Begeisterung in diesem Rahmen.

Auch im Beitritt zum Wiener Blasmusikverband dokumentierte sich diese Neuorientierung und Weiterentwicklung der Blasmusik St. Georg Kagran durch Entsendung ehrenamtlicher Mitglieder für den Verbandsvorstand, als Bekenntnis zur verbindenden Wirkung der Musik. Fixpunkte im Verbandsleben mit dem Wiener Blasmusikverband sind die Teilnahme an Landesblasmusikfesten, Konzertwertungsspielen, dem Österreichischen Blasmusikfest sowie Repräsentation im Rahmen der Wr. Festwochen.

Landesmusikfest Salzburg 1990Einen wesentlichen Anteil am gesellschaftlichen Vereinsleben hatten (neben den jährlichen Fixpunkten Hausball, Sommerfest und Jahreskonzert) unsere mehrtägigen Ausflüge, auf denen wir immer wieder auch in den Bundesländern mit Erfolg musikalisches Zeugnis ablegen. Diese Fahrten boten den Familienangehörigen aber auch anderen Interessierten die Möglichkeit, hinter die Kulissen unserer Gemeinschaft zu blicken.

Das Probelokal:

Nach unserem Auszug aus dem Pfarrhof im Jahre 1982, wo wir sowohl regelmäßig jeden Freitag unsere Orchesterproben als auch die Ausbildung unserer Musikschüler betrieben, mußten wir uns um ein geeignetes Lokal für rund 60 Musiker samt Ausrüstung - Instrumente, Archiv, Uniformen, Notenständer, Sessel etc.- umsehen.

Ein Zweitlokal, das uns aufgrund unserer freundschaftlichen Kontakte von der LGV auf dem Gelände der Gemüsesammelstelle 22., Wagramerstraße 147 (BAST), zur Verfügung stand, erwies sich leider doch zu klein als Probenraum für das Gesamtorchester und wurde daher zum Einstellen unserer Ausrüstungsgegenstände sowie als Probelokal für Kleingruppen verwendet.

Wir fanden dann in den Räumen des Kulturvereines Donaustadt, dem heutigen Orpheum, Unterschlupf. Dieses Objekt, das früher ein Kino war, erwies sich nicht zuletzt aufgrund der vorhandenen Bühne, des großen Fassungsraumes und der benutzbaren Nebenräume hinter der Bühne für die Abhaltung des Probenbetriebes und zur Veranstaltung unserer Jahreskonzerte als ideal. Einziger Wermutstropfen war, daß dieses Lokal mit anderen kulturellen Institutionen geteilt wurde und wir im Laufe der Zeit immer öfter keine Gelegenheit hatten, am Freitag unsere regelmäßigen Proben abzuhalten. Eine Verlegung der Proben auf einen anderen Tag erwies sich als nicht zielführend, und so nahmen wir dann doch mit 1.11.1987 Abschied vom Kulturverein Donaustadt.

Als Retter in der Not erwies sich in dieser Situation wieder ein Gönner. An der Ecke Wagramer Straße /Am Freihof fanden wir im Keller eine neue Heimat, die unsere Erwartungen bei weitem übertraf. Ausreichend Platz für den Probenbetrieb, für Einzelunterricht und genug Raum für Ausstattungsgegenstände. Wenige Handgriffe verwandelten die Raumgruppe in eine echte Heimstätte für uns.

von 1987 bis heute:

Faszination Blasmusik 1995Die Erfolge in den ersten 40 Jahren sowohl in der Entwicklung der Mitgliederanzahl und der Musikalität brachten naturgemäß eine Phase der Rückbesinnung und Überprüfung der Ziele mit sich. Parallel mit der Neueinkleidung wurde die Orientierung an der “Wiener Musik“ festgelegt und nach der abgeschlossenen Imagebildung als Wiener Orchester versucht, musikalisch nachzuziehen. Die Obmannschaften von Josef Wolfram, Hans Nissl und Werner Nagl hatten vor allem die angesprochene Rückbesinnung zum Ziel, und der Verein besann sich auf seine gesellschaftlichen Verpflichtungen den Mitgliedern und Freunden gegenüber.

Im Frühjahr 1996 wurde Gabriele Haider die erste Obfrau des Blasmusikvereines St. Georg Kagran, und damit auch die erste Obfrau im Rahmen des Dachverbandes Wiener Blasmusikverband. Durch sie entwickelte sich auch die freundschaftliche Beziehung zum Musikverein ihrer Heimatgemeinde, Pöggstall in NÖ. Beinahe jährlich helfen die beiden Vereine einander durch Gastspiele bei den Festen des jeweils anderen.

1997 galt es ein freudiges Ereignis zu feiern, nämlich unser 50jähriges Bestehen. Dies geschah durch ein großes Fest und durch die Aufnahme einer CD. Das bis dahin seit fast 10 Jahren an einem Sonntag Nachmittag im Juni veranstaltete Sommerfest im Pfarrgarten wurde zu einem 2-tägigen Fest mit Bühne auf der gesperrten Strasse am Freihof ausgeweitet, und war ein voller Erfolg. Seit damals wird aber auch das Sommerfest als 2-Tage-Fest (allerdings wieder ausschließlich im Pfarrgarten) abgehalten.

unsere Herren-Uniformen einst und jetztNachdem wir für unser 40-Jahr Jubiläum bereits eine Langspielplatte und Musikkassette produziert hatten, reifte der Entschluß, zur Feier des 50-Jahr Jubiläums eine CD zu produzieren. An zwei Wochenenden wurden die Stücke in unserem Probelokal aufgenommen, und später im Tonstudio in Filzmoos abgemischt. Aufnahmeleiter und war der Kapellmeister der Trachtenkapelle Filzmoos Sepp Kirchgasser, der unter der Aufsicht unseres Kpm. Macek ein äußerst gelungenes Ergebnis produzierte.

In weiterer Folge beteiligte sich der BMV St.Georg Kagran auch an den beiden Tonträgern des WBV "Faszination Blasmusik" (1996) und "Faszination Blasmusik - 40 Jahre WBV" (2000). Es wurden allerdings nicht neue Stücke aufgenommen, sondern jeweils Stücke aus unserer CD zur Verfügung gestellt.

Mit Jahresende 1997 endeten auf eigenen Wunsch 21 äußerst verdienstvolle Jahre Kapellmeister Erich Macek. Da sich niemand aus den aktiven Musikern als Nachfolger aufgedrängt hatte, mußte sich der Vorstand auf die externe Suche nach einem Kapellmeister machen. 1998 übernahm der Berufsmusiker Dieter Angerer die musikalische Leitung des BMV St.Georg Kagran.

Der Blasmusikverein St. Georg Kagran ist längst fester Bestandteil der transdanubischen Kulturszene. Im Jahr 1999 wurde der Blasmusikverein St. Georg Kagran vom Bezirksvorsteher des 22. Wiener Gemeindebezirkes mit dem Titel "Bezirksblasorchester Donaustadt" ausgezeichnet.

In den Glanztagen der 80er Jahre als der MV mehr als 80 aktive Musiker zählte, wurde leider die intensive Nachwuchsarbeit, die diese Erfolge erst möglich machte, mehr und mehr zurückgenommen und schließlich ganz eingestellt. Mitte / Ende der 90er Jahre gab es dann in einigen Registern die ersten echten Besetzungsprobleme. Probleme, die der Verein, der immer drauf stolz war "ohne Substituten auszukommen", nicht gewohnt war. So entschloß sich der Verein mit der Jugendarbeit wieder zu beginnen, was naturgemäß ein Beginn von Null war. Unter Federführung von Obfrau-Stv. Siegfried Fabian wurden Kontakte zur Musikpädagogin Sr. Waltraud geknüpft, eine Flötengruppe gebildet, mit dem Ziel auf diese Art Kinder zur Musik (und in weiterer Folge hoffentlich zur Blasmusik) zu führen. 2000 entstand dann mit (teilweise der Flötengruppe entwachsenen) Jugendlichen wieder ein Jugendensemble, geleitet von Wolfgang Nagl, dessen musikalische Karriere im Jugendorchester der 70er Jahre begann.

Zur besseren Vorbereitung auf das Jahreskonzert wurden Mitte der 90er Jahre die Probewochenenden eingeführt. Hier konnten dann einige Stücke intensiver bearbeitet werden, als dies in den zweieinhalb Stunden der Freitag-Probe möglich ist. Ursprünglich fanden diese Proben ebenfalls in unserem Probelokal statt. 1999 - 2002 verknüpften wir dieses jedoch mit einem kleinen Ausflug, und probten in Zwettl an der Rodl, im Mühlviertel, OÖ, wo uns der dortige Musikverein dankenswerterweise für das Wochenende sein Probelokal zur Verfügung gestellt hat.

Seit 1987 (dem 40-Jahr Jubiläum) hat der BMV St.Georg Kagran eine eigene Fahne. Völlig unerwartet wurden wir im November 2001 mit einer von Fr. Wallisch gespendeten, wunderschönen Standarte überrascht. Diese wurde am Sonntag 16. Juni 2002 bei der Feldmesse im Rahmen unseres Sommerfestes eingeweiht.

2007, das Jahr des 60-Jahr-Jubiläums brachte dann einige Veränderungen. Mit Christoph Merschl übernahm wieder ein „Eigenbauspieler“ des Vereins die musikalische Leitung des Orchesters. Er hatte ein Jahr davor die Leitung des Jugendorchesters übernommen, und gab diese 2007 an Raffael Jetzinger ab. Zum Jubiläumskonzert im November 2007 präsentierte sich der Verein erstmals in der neuen Tracht, die von den Farben weinrot und schwarz dominiert wird.

2009 gab es viel Neues in unserem Jugendorchester. Andrea Veegh übernahm die musikalische, Gregor Jank als Jugendreferent die organisatorische Leitung. Das Jugendorchester wurde in instrumenteenies umbenannt, erhielt ein eigenes Logo, und neue Leibchen.

EM 2010 Die Nachfrage nach Blasmusik nicht in der großen Besetzung führte zur Gründung der kleinen Partie, einer Besetzung von etwa 12 Personen. Schon in den 1980er Jahren bestritt diese einen großen Anteil der Auftritte. In den 2000er Jahren kam es unter Federführung von Gerhard Schmidt und Werner Nagl zu einer Neugründung.
Nach einigen sehr erfolgreichen Auftritten im Wiener Raum entschloss man sich 2010 bei der Europameisterschaft für Böhmisch-mährische Blasmusik anzutreten (in Silian, Osttirol) und erreichte Platz 3 in der Unterstufe. War der erste Versuch noch nach einer spontanen Idee in den letzten Minuten vor dem Ende der Anmeldezeit entstanden, so gab es 2014 (als die EM wieder in Österreich ausgetragen wurde, und zwar in Ried, Oberösterreich) nach intensiver einjähriger Vorbereitung ein neuerliches Antreten 2 Klassen höher, und diesmal wurde Platz 13 in der Oberstufe erreicht.
Um den überlangen Namen Böhmische Partie der Blasmusik St.Georg Kagran abzukürzen, und aus einem Versprecher eines Ansagers entstanden, kam es zur Bezeichnung Böhmische Kagran.

2014 wurde der Donaustadt Walzer komponiert von Kapellmeister Christoph Merschl uraufgeführt. Das Werk erstand im Auftrag des Bezirksvorstehers aus Anlass des Jubiläums 60 Jahre Bezirk Donaustadt, Anforderung war, es soll die 8 Bezirksteile musikalisch wiedergeben. Für uns eine Ehre, dass die Blasmusik und nicht etwa ein Symphonie-Orchester mit diesem Auftrag betraut wurde.
2014 kam es auch zu einer größeren Renovierung des Probelokals, bei dem viele Musiker sehr tüchtig Hand anlegten.

Dass zwei Menschen im Verein zueinanderfinden und es eine Musikerhochzeit gibt, kam in der Vereinsgeschichte einige Male vor. Zuletzt 2015, seither heißt die musikalische Leiterin des Jugendorchesters Andrea Jank.

2016 kam es zu einem Wechsel in der Vereinsleitung. Gottfried Struggl ist neuer Obmann, Martin Gartner Kapellmeister, Ursula Wolfram Jugendreferentin und Rudi Pitnauer musikalischer Leiter der Intrumenteenies.

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